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12 Jun

Meinerzhagener Zeitung, 19.Juni 2012

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Acht Schüler des Evangelischen Gymnasiums bekommen frenetischen Applaus für ihr selbst entwickeltes Stück

Meinerzhagen . Mit frenetischem Applaus, stehend gespendet, honorierten die Zuschauer das Theaterstück "macht SINN", das von acht Schülerinnen des evangelischen Gymnasiums im Laufe eines Jahres unter der Leitung von Thomas Erdmann selbst entwickelt und am Samstagabend in der Aula der Schule aufgeführt wurde.

Dem Sinn des Lebens sind die Schülerinnen in ihrem Stück auf der Spur. Die Zuschauer lernen acht Persönlichkeiten kennen, die die unterschiedlichsten Ziele verfolgen und Wünsche hegen. Sie streben nach Freundschaft oder Geld, Perfektion und Erfolg, nach Vertrauen oder nur nach neuen Schuhen, und versuchen so, jede auf ihre Art, ein glückliches, selbsterfülltes Leben zu leben. Alle wollen dazugehören, ihren Platz in der Gesellschaft finden und behaupten, aber immer ist da dieses Gefühl, das etwas entscheidendes fehlt.

Ihre Rollen erarbeiteten sich die Schülerinnen nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Internet, wo auf der Theaterhomepage des Gymnasiums ein kleines Netzwerk eingerichtet worden war, das sie nutzen konnten, um ein Profil aufzubauen und in ihren Rollen zu chatten und Texte zu schreiben. Dieses Material wurde zur Grundlage des Stückes. Viele Texte der Schülerinnen finden sich im Stück wieder, einige Unterhaltungen, die auf der Seite entstanden sind, haben ihren Platz im Stück gefunden. Bei der weiteren Umsetzung war ein von der Volksbank gespendeter Workshop mit der Theaterpädagogin Birgit Günster aus Köln eine große Hilfe, bei denen die Schülerinnen nicht nur lernten, wie die Sinnsuche auch bildhaft darzustellen ist.

Einmal mehr unterstrichen bei der Aufführung Videoeinspielungen das Bühnengeschehen. In schnellen Dialogen, ausgefeilten Monologen, musikalischen Beiträgen und mit nur wenigen Requisiten präsentierten die Protagonisten den alltäglichen Irrsinn. Sie werfen Fragen auf: Darf hier eigentlich jeder machen was er will? Werden wir gut regiert? Werden wir dann wenigstens gut unterhalten? Was machen wir hier eigentlich? Sie zeigen eine Welt, die vom Konkurrenzkampf bestimmt wird. Was ist los mit einer Gesellschaft in der 20 Prozent der Menschen von der Arbeit, die sie leisten, nicht mehr leben können? In der Madonnas Fehlgriff im Kleiderschrank größere Aufmerksamkeit bekommt, als die verhungernden Kinder in Afrika. Eine Gesellschaft, in der die unterschiedlichsten Ängste lähmen und kleinmachen, in der Sehnsucht und Suche leicht zur Sucht werden können, und in der ein Weltbild herrscht, in dem nur Materielles, Messbares zählt, wo kein Platz ist für persönliche Wege und Umwege zum Glück.

Doch wie verändert sich die Weltsicht unter dem Gesichtspunkt der neuen Forschung in den Bereichen (Quanten-)Physik und Biologie, wo die Materie nur noch als Möglichkeitswelle beschrieben wird, und wo zwei Teilchen offensichtlich über große Entfernungen miteinander verbunden sind? Diesem roten Faden folgten die Schülerinnen bei der Entwicklung neuer Perspektiven in einem Gewebe der Energie, bei dem auch der andere wieder ins Blickfeld gerät, wo der, der fällt, nicht verloren geht, sondern aufgefangen wird.

Doch letztlich gibt es keine Antwort auf die Sinnfrage. Das Leben ist eine einzige Reise. Immer auf dem Weg. auf der Suche, nach sich selbst und auf der Flucht vor dem, was man ist. Der Sinn des Lebens bleibt das Licht am Ende eines Tunnels.

Thomas

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2 Jahre 7 Monate

Thomas Erdmann ist Lehrer für Mathematik und Physik.