Direkt zum Inhalt
23 Mär

Meinerzhagener Zeitung, 23. März 2015

Kammerspiel mit dichter Atmosphäre

 
Fünf Schülerinnen und Schüler der Theater AG präsentieren "Jetzt aber .. vielleicht ... wirklich"

Meinerzhagen - Die Bühne zwischen den dunklen Backsteinwänden ist leer, bis auf eine Leiter, deren Schenkel ein umgekehrtes V bilden. Ein Einkaufswagen rollt im Scheinwerferlicht zu verträumten Klavierklängen durch die Zuschauerreihen heran und plötzlich sind die Schauspieler da, entnehmen ihr "Gepäck", tragen es auf die Bühne - und schon sind die Zuschauer mitten im neuen Stück der Theater AG des Evangelischen Gymnasiums.

"Jetzt aber ... vielleicht ... wirklich" - so der Titel - wurde von fünf Schülerinnen und Schülern der Q2, einer Teilgruppe der Theater AG, unter der Leitung von Thomas Erdmann entwickelt. Das Ergebnis ist ein Kammerspiel mit dichter Atmosphäre, die die Zuschauer gefangen nimmt und den Schauspielern viel Raum für Improvisationen lässt.

Die Ausstattung ist minimalistisch, das Thema komplex. Fünf Menschen wählen gemeinsam die Isolation in einem Bunker, wo jeder sofort sein persönliches Territorium absteckt, in dem er letztlich mit seinen Problemen, Ängsten und Wünschen allein bleibt. Schnell finden die Fünf zu einer eintönigen  alltäglichen Routine, die ihnen Sicherheit vermittelt vor äußeren Einflüssen, die sie  als bedrohlich wahrnehmen. Dialoge finden kaum statt. Vor allem in Monologen, die in einsamen Nachtstunden während die anderen schlafen gehalten werden, erfahren die Zuschauer etwas über die psychische Verfassung der fünf Menschen.

Taipeh (Claudia Morlang) hat ihre Träume und ihren Namen, ihre Identität, vergessen. So tanzt sie im mächenhaften Prinzessinnenkleid zu imaginären Walzerklängen, verstrickt in Ängste und konfuse Gedanken über die Zeit.

England (Nils Bäcker) ist ein Pedant und Perfektionist, der sich wünscht "normal" zu sein. "Ich suche Menschen", sagt er, bekennt aber, dass er nur mit ihnen leben kann, wenn sie alles richtig machen.

Odessa (Luca d´Ortona) träumt davon, ein Steuermann zu sein, der als einziger ein großes Schiff aus Seenot retten kann - aber er ist unfähig seine Liebe zu erklären. Stattdessen gilt seine Fürsorge einem Apfel, einem symbolträchtigen Objekt, das er auf einem "Altarstein" plaziert hat. Jede Nacht versucht er unbemerkt, es weiter in den Mittelpunkt zu stellen. Havanna (Cora Casimir) heißt seine Liebste, deren Träume von Bildern der Natur bestimmt werden. Sie fürchtet sich vor Jägern und sucht jede Nacht Zuflucht zwischen den käfigartigen Wänden eines Einkaufswagens. Nur zwischen ihr und Askia (Kimberly Tanzius), der das alltägliche Einerlei zu langweilig ist, findet ein Austausch statt. Askia möchte Freude teilen, Fliegen lernen, Handstand machen, von vorn anfangen. So stört sie den routinierten Tagesablauf der anderen. "Hauptsache, s passiert irgendetwas", sagt sie, testet Grenzen aus und überschreitet sie.

Wie das sehenswerte und vielschichtige Stück ausgeht sei hier nicht verraten, denn am morgigen Mittwoch findet um 19.30 Uhr eine weitere Aufführung in der Bamberg-Aula statt.

 

Meinerzhagener Zeitung, 23. März 2015 - von Luitgard Müller

Thomas

Mitglied seit

2 Jahre 6 Monate

Thomas Erdmann ist Lehrer für Mathematik und Physik.