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1522, auf dem Höhepunkt der Reformation, sagte Martin Luther: „Ich bitte, man wollte meines Namens geschweigen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein. So bin ich auch für niemand gekreuzigt.“

Also erzählen wir nicht von Martin Luther, das machen dieses Jahr schon so viele. Wir versuchen seine Ideen in die heutige Zeit zu transportieren.

Was bedeutet es, wenn man heute sagt: „Wenn du glaubst, dann lebst du in der Gnade Gottes?“ Und diese Gnade ist bedingungslos, du kannst nichts dafür tun, du musst nichts dafür tun – außer zu glauben.

Aber bedeutet Glauben, dass man bestimmt Dinge glauben muss, oder bedeutet es nicht viel mehr, dass man vertrauen kann.

Also schaut das Stück „Ich bin nicht die Wahrheit“ auf eine Welt, in der viele Menschen nach einem Glauben suchen, der ihnen Halt gibt, in der sie sich aber eigentlich verloren fühlen.

Die Suche nach einer Wahrheit, die stark genug ist eine Gemeinschaft zu bilden, Menschen zu verbinden. Eine Wahrheit, die nicht wahr ist, weil es jemand gesagt hat, sondern weil wir es als Wahrheit für uns erkannt haben.

Was wäre, wenn wir mit den einfachen Antworten nicht mehr zufrieden sind, mit der Sicherheit, die sie uns geben, weil wir am Ende damit immer an Grenzen stoßen, weil zu viel Gutes auch böse ist.

Wenn wir lernen zu sagen was uns stört, es zu hinterfragen. Und wir lernen zuzuhören, wenn etwas hinterfragt wird und es wirklich in Frage zu stellen, weil es dann zu einer Verständigung kommt, die tragfähiger ist.

Das erfordert Kraft, das ist schwierig. Und woher soll diese Kraft kommen. Vielleicht von Gott?

Vielleicht haben wir diese Kraft. Vielleicht müssen wir nur daran glauben.

Und so begleitet das Stück einige Menschen bei ihrer Suche, bis sie am Ende des Tages im Supermarkt „devils corner“ aufeinandertreffen.

Autor:
Eigenproduktion
Gruppe:
Premiere:
18.03.2017
Aufführungen:
  • 22.03.2017
    Ev. Gym. Meinerzhagen
  • 24.03.2017
    Ev. Gym. Meinerzhagen
  • 25.05.2017
    Atze Musiktheater Berlin
  • 27.05.2017
    Messe Berlin, Halle 23a

Schauspieler*in

Phil Niggemann
Charis Reinisch
Hannah Bastek
Lina Schroeder
Leandra Sülzer
Julian Tamm
Sofie Sperling
Lasse Albrecht

Technik

Amelie Oeckinghaus
Marvin Strangfeld

Aus Liebe zur Wahrheit und im Verlangen, sie zu erhellen, sollen die folgenden Thesen in Wittenberg disputiert werden.

Lug und Trug predigen diejenigen, die sagen, dass die Seele glücklich werde, sobald die  Münze klingelnd in den Kasten fällt. Das der Mensch durch Konsum frei werde.

Am Anfang war der Urknall. Was denn sonst? Gott vielleicht? Das Licht? Das Wort?

Naturwissenschaften erklären die Welt. Alles andere basiert auf der Rationalität des Menschen.

Was gut und was schlecht ist, entscheiden die Menschen

 

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Am Anfang war die Angst.

Die Angst meine Meinung zu äußern, weil sie anderen nicht passen oder sie sogar verletzen könnte.

Dabei ist es so wichtig, den Mund aufzumachen und sich einzumischen, und zu sagen, dass das, was auf der Welt passiert falsch ist.

 

Wissen sie warum ich nicht Gott bin, nicht Gott sein kann. Weil ich nicht jedem verzeihen kann.

Wenn ich Gott wäre, dann müsste ich den Menschen vertrauen, allen, ohne Ausnahme. Sonst macht das ja keinen Sinn. Ein Gott der nur ausgewählten Menschen vertraut. Wozu gibt es dann die Anderen. Er müsste allen vertrauen und alle lieben, unendlich lieben, bedingungslos

 

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Stell dir vor, immer wenn irgendwo etwas passiert, das einen anderen Menschen verletzt, dann stellt er sich hin und fragt warum?

 Nicht:

Das darf doch nicht wahr sein

Oder

Das darf nicht nochmal passieren,

Sondern einfach warum?

Warum hast du das gemacht?

Warum tust du mir so etwas an?

Warum nimmst du dir das Recht dazu?

 

Gibt es einen Grund dazu, lass es mich verstehen.

Ich muss am  Ende mit deiner Entscheidung nicht einverstanden sein, aber nimm mich ernst und antworte mir.

Und wenn der andere nicht antworten will, weil es ihm unangenehm ist oder er keine Zeit hat, dann warte ich, ich habe Zeit.

Ich warte solange, bis ich eine Antwort bekommen. Solange komme ich wieder und wieder.

Und wenn deine Antwort ist, das verstehst du nicht, dann erkläre es mir.

Vielleicht habe ich dir Unrecht getan, und habe es nicht gemerkt. Und du hilfst mir zu verstehen, was falsch gelaufen ist und wir können reden.

Aber wenn deine Antwort nur lautet: ich mache es, weil es mir gesagt wurde, weil ich muss.

Dann gehe hin und frage nach, warum du es machen sollst.

Und dann frage solange, bis du eine Antwort hast, die du verstehen kannst.

Die du nachvollziehen kannst, die du mir erklären kannst.

Frage solange, bis dir geantwortet wird,

bis dir der Respekt entgegengebracht wird, bis ein Gespräch entsteht.

Stellt dir vor, jeder würde diese Frage stellen. Dann würden überall Menschen stehen und Warum? fragen, überall. Sie würden fragen:

 

Warum..

Warum…

Warum…

 

Und stell dir vor, wir würden uns die Zeit nehmen zu antworten.

Wir würden solange fragen und antworten, bis wir uns verstehen, bis wir miteinander im Gespräch sind Du, Ich, Wir. Wenn wir uns hinterfragen lassen, wenn wir andere hinterfragen. Wenn wir überzeugt werden wollen, wenn wir bereit sind uns überzeugen zu wollen, wenn wir bereit sind zu überzeugen.

Wir sind frei diese Frage zu stellen, wir sind frei anders zu denken, wir sind frei unseren Weg zu suchen. Wir sind frei Kompromisse zu schließen.

Eine Frage ist ein Angebot. Und ein Gespräch ist ein Anfang, und dieser Anfang besteht aus Worten. Am  Anfang war das Wort.

Wir nutzen die Worte auf der Suche nach einer Wahrheit. Ja es gibt sie vielleicht nicht, die eine Wahrheit. Aber das bedeutet doch nicht, das alles egal ist, dass wir machen können was  wir wollen.

Du musst nur fragen. Jedes mal fragen und die Antwort aushalten.

Wenn man einmal gesehen hat, wie ein Kind einen mit dieser Frage in den Wahnsinn treiben kann, dann weiß man wie viel Kraft dahinter steckt.

In diesem kurzen, aber verständlichem Warum?