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Warum Schiller
Waum Schiller? Warum „Die Räuber“?
Die Frage stellt sich in der Schule bei fast jedem Stück, insbesondere wenn es nicht mehr ganz so aktuell ist. Aus dieser Frage entwickelt sich dann im Idealfall ein Thema/eine Idee des Stückes, die das Stück für die Schüler und die Zuschauer spannend (bzw. relevant) macht. Aus der Handlung der Räuber (und im Prinzip auch aus der Lebenssituation Schillers als er das Stück schrieb) ergeben sich diese Ansatzpunkte recht schnell:

„Den Bildern im Kopf Raum geben“
Für die Inszenierung stellt sich daraus die Aufgabe diese Relevanz deutlich zu machen. Eine einfache Aktualisierung würde zu einer einfachen aber auch schnell plakativ wirkenden Aussage führen. Es besteht die Gefahr, dass durch diese Vereinfachung die Tiefe des Stückes verloren geht. Wir haben daher versucht eine Inszenierungsansatz zu verfolgen, der den Zuschauern Anreize schafft, die Relevanz und damit die Übertragung der Geschichte auf unsere Zeit individuell zu erleben - Bilder in den Köpfen entstehen zu lassen, anstatt sie deutlich vorzugeben. Dem Zuschauer viel Platz zur Entfaltung der eigenen Phantasie zu geben, damit jeder Zuschauer das Stück auf eine eigene Art und Weise und (anknüpfend an seine eigenen Erfahrungen) somit sehr persönlich erlebt.
Um diesem Ziel näher zu kommen versuchen wir die uns zur Verfügung stehenden Theatermittel/Materialien auf ihre Wirksamkeit hin zu untersuchen. Nach einzelner Bearbeitung der unterschiedlichen Elemente haben wir sie neu zusammen gesetzt - so wurde aus den banalen Bauelementen ein komplexes und vielfältiges Gesamtbild.
Die Kraft der Sprache
Die Sprache in diesem Stück wirkt zunächst einen Moment lang etwas fremd. Nach einiger Zeit (und nach entsprechenden Kürzungen) werden aber die enorme Kraft und der Bilderreichtum dieser Sprache deutlich. Diese Sprache benötigt Raum. („Ich habe zum ersten Mal die Kraft von Schillers Sprache gespürt“ war der Kommentar einer der Deutschlehrer an unserem Gymnasium nach der Aufführung.) Sehr schnell wurde dadurch klar, dass ein aufwendiges Bühnenbild diese Sprache eher einengt und damit ein sehr sparsames Bühnenbild nötig ist.
Bühnenbild / Licht
Im Wesentlichen kann man das Stück auf zwei Handlungsorte reduzieren, das Schloss und den Wald der Räuber.
Die Welt der Räuber war (meist) hell und offen. Durch blaue Neonröhren im Hintergrund können Assoziationen zum Wald (dem eigentlichen Ort der Handlung) hervorrufen, darüber hinaus erinnern sie an ein modernes Kneipenambiente.
Im Kontrast dazu das Schloss. Die Schlosskulisse reduzierten wir lediglich auf einen schwarzen Thron. Durch die Dominanz der Farbe schwarz kreierten wir neben der gehobenen und steifen auch eine dunkle und bedrohliche Atmosphäre voll von Intrigen, Verschwörung und Habgier. Die in den Räuberszenen benutzten blauen Neonröhren im Hintergrund, waren wie eine Krone oder Schlosszinnen angeordnet. Damit bleibt das Schloss (in gewisser Weise auch die Heimat von Karl) das Stück über gegenwärtig, es schwebt über der Handlung. Eine spannende Doppeldeutigkeit, die das alte Schloss geschickt mit der Moderne verbindet.
Durch den Einsatz von vielfältigen Lichteffekten schaffen wir zeitlose Räume auf der Bühne.
Waren weitere Akzentuierungen oder Räume nötig, haben wir versucht sie durch den Einsatz von Licht deutlich zu machen.
Körper
Je reduzierter das Bühnenbild ist, desto deutlicher ist der Schauspieler zu sehen und umso wichtiger wird der Körper als Gestaltungsmaterial. Die Räuber sind zum großen Teil ein Haufen unglücklicher, verzweifelter Menschen, die die Leere in ihrem Leben durch die Gemeinschaft der Räuber, ihren Zusammenhalt und ihre Begeisterungsfähigkeit, flankiert durch die latente Gewaltbereitschaft, überspielen. Um dies für den Zuschauer fühlbar zu machen, müssen die Räuber (trotz all ihrer Individualität) als starke, gefährliche Einheit auftreten. Das erfordert eine große Präsenz und Plastizität der Schauspieler(körper) und ein starkes Zusammenspiel. Die Räuberbande wird durch ihre Aufstellung im Raum auch zum Teil des (Bühnen-)bildes und füllt die Leere der Bühne.
Musik
Die Musik ist wohl das deutlichste Element, mit der wir das Stück in der Gegenwart verankert haben. Der Freiheitsdrang, die Verzweiflung, das bedingungslose Einlassen auf eine Situation findet man in Teilen der Alternativ- Rockmusik wieder. Insbesondere das Stück „Smells like teen spirit“ mit Zeilen wie „here we are now, entertain us“ spiegelt die Verlorenheit und Verzweiflung, aber auch den Wunsch diese Leere durch Spaß/Party zu überspielen. Dieses Lied bildet damit auch die Grundlage der ersten Szene, anhand der ich versuche unser Inszenierungskonzept noch einmal zu verdeutlichen.
Die Bühne ist bis auf eine aus wenigen Kartons gebaute Mauer mit dem Graffiti „Life is fragile“ leer. Aus dem Hintergrund kommt Karl zu Bühnenrand, entledigt sich seines Sakkos und trinkt Bier. Die Bühne füllt sich mit Schauspielern, die vereinzelt auf der Bühne stehen. Es entsteht ein Bild aus Körpern und der Mauer, das Assoziationen wie Isolation, alleine sein, sich zusaufen ermöglicht. Durch die Musik (eben „smells like teen spirit“) die sich zunehmend steigert und das weiter statische Bild entsteht eine zunehmende Spannung. Unterstützt von Musik und Lichteffekten wir das Mauermotiv bis zur Unerträglichkeit für Zuschauer und Schauspieler verdichtet. Dieses gefühlsstarke Bild, das erdrückende Gefühl von Einengung und Verzweiflung wird von der wilden Zerstörungswut der Akteure demoliert und dem Publikum wird gleich zu Anfang einer der Themenschwerpunkte des Dramas bewusst: Der Versuch auszubrechen auf der Suche nach Freiheit! – ein stets modernes und relevantes Thema!